Die Piraten können auch anders

16 Februar 2010 von Wolfgang Dudda Kommentieren »

Am letzten Wochenende haben sich die um so genannte  “Basispiraten” (Piraten ohne Amt oder Funktion in der Partei) ergänzten Landesvorstände der Piratenpartei und ein Teil des Bundesvorstandes in Kassel zur “Marina Kassel” getroffen. Die Veranstaltung war genau so ein Arbeits- wie ein Kennenlerntreffen. Die Liste der behandelten und teilweise abgearbeiteten Themen ist für eine Darstellung hier zu lang. Programmatisches stand naturgemäß nicht auf der Agenda, denn verbindliche Beschlüsse dazu sind und bleiben eine Sache für alle Piraten und nicht etwas für Funktionäre. Bastapolitik bleibt damit etwas für die anderen Parteien.

Die Optimierung innerparteilicher Abläufe auf allen Ebenen war das, worum sich die Piraten in Kassel gekümmert haben. Anders als in der Onlinewelt, wo die Piraten dazu neigen, sich in Unendlichkeitsdiskussionen auf Mailinglisten bis zum Exzess selbst zu zerfleischen, bemühten sich alle darum, sachorientiert und mit sehr viel Respekt vor dem jeweils Anderen einen produktiven Diskurs zu führen. Beispielhaft möchte ich hier die Runde der Presseleute anführen, die binnen einer guten Stunde einen Modus gestaltet hat, der das hier und da zu beobachtende Durcheinander der Pressearbeit beenden wird und gleichzeitig bundesweit die presseüblichen Standards erfüllen kann.

Aber, selbst die beste Pressearbeit kann nicht reparieren, was egomane Selbstdarsteller, die sonst bereits seit Monaten nichts mehr für die Piratenpartei leisten, obwohl sie dem Bundesvorstand angehören, an Schaden zufügen. Wer die Aufmerksamkeit für sein Blog eigentlich der Tatsache verdankt, dass er Mitglied des Bundesvorstandes der Piratenpartei ist, und dann ein um das andere Mal durch seine politische Dummheit das zerstört, was andere Piraten mühsam aufgebaut haben, ist de facto kein Pirat. Dass er es de jure weiterhin sein darf, ist bedauerlicherweise dem Parteienrecht geschuldet, denn gegen ein Ausschlußverfahren kann derjenige ein nahezu unendliches Klageverfahren bemühen, das noch mehr Schaden anrichten würde. Die Absurdität wäre dann die, dass ausgerechnet der, der zum Bomardieren des Irans aufruft, sich selbst zum Märtyrer machen könnte. Wir alle erinnern uns an den Fall Clement der SPD. Was die politische Schäbigkeit angeht, hat unser piratischer Blender namens König durchaus Augenhöhe mit Clement hergestellt, so dass wir davon ausgehen müssen, dass er die gleichen üblen Mechanismen bedient. An das Fehlen charakterlicher Subroutinen haben die Väter des Parteienrechts damals wohl nicht gedacht.

Das hindert unseren Bundesvorstand jedoch keinesfalls daran, das zu tun, was die Piraten hier fordern. Es gibt beinahe 12.000 Piraten, deren Idealismus und Einsatz eine andere öffentliche Darstellung verdienen! Die beknackten Visionen eines piratischen Faulpelzes dürfen das Fremdbild der Piraten nicht länger bestimmen. Wenn die Legenden stimmen, haben die Piraten früher in der Karibik ungeeignete Anführer auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Hier kann eine gewisse Analogie bedient werden.

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2 Kommentare

  1. TJ
    Twitter:
    sagt:

    angeblich gehen ja einige Südseeinseln bald unter..

  2. Sehr schön und sachlich aufbereitet, was anderen Orts teilweise in peinliche Diskussionen ausartete. Man sollte auch als Pirat tatsächlich eine gewisse Beharrlichkeit entwickeln, denn der kommende BPT wird’s schon richten…

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