Unrichtige Darstellung und falsche Schlußfolgerung

26 Oktober 2009 von Wolfgang Dudda Kommentieren »

Das SPITBLOG hat sich unter der Überschrift “Eloquentes Angespisstsein” der dummen Äußerungen Aaron Koenigs in seinem Blog angenommen und dabei unrichtig zusammengefasst und schlußgefolgert. In dem sonst wirklich sehr schönen und sonst auch völlig zutreffenden Beitrag ist dort folgendes zu lesen:

Die Reaktion

Das alles kann man nun scheiße finden, klar. Man kann, nein, man muß darüber diskutieren. Man muß auch ein Vorstandsmitglied zurückpfeifen.

Oder man verhält sich wie der Häuptlingssohn Pepe aus “Asterix in Spanien”, der so lange die Luft angehalten hat, bis er endlich seinen Willen bekam.

In diesem Fall sind es Pantoffelpunk und Wolfgang Dudda, die beide verkündeten, ihre Mitgliedschaft bei den Piraten ruhen zu lassen, so lange Aaron Koenig noch Mitglied des Vorstands ist.

Was ist das für eine politische Kultur geworden, in der man sich bei jedem Anzeichen von Konflikt in die Brust wirft, “Ich streike!” ruft und offenbar ernsthaft erwartet, daß sich so Mehrheiten für die eigene Meinung finden lassen?

Dass stimmt so nicht. Ich habe zu keiner Zeit verlangt, dass Aaron Koenig aus dem Bundesvorstand der Piratenpartei entfernt wird. Meine Entscheidung, meine Mitgliedschaft ruhen zu lassen, habe ich vielmehr getroffen, weil Aaron Koenig das durch einige bestenfalls als “Ungeschicktheiten” zu bezeichnende Vorgänge angefüllte Faß dann doch zum Überlaufen brachte. Von der immer noch nicht gelösten Problematik “Bodo Thiesen” über das an sich kluge Interview Andreas Popps in der absolut falschen Zeitung,  das dann noch eine recht fragwürdige Rechtfertigung durch Jens Seipenbusch erhielt, bis hin zu den zwei Blogbeiträgen Aaron Koenigs ist der Bogen gespannt worden, der bei mir persönlich nun gerissen ist.

Wenn man selbst zwei Monate lang Wochenende für Wochenende an diversen Infoständen tagelang praktischen Wahlkampf für die Piratenpartei gemacht hat, wenn man durch die Gestaltung des Wahlkampfes hier durch die Mitarbeit im Presseteam den Rest der verbliebenen Freizeit dann auch noch der Piratenpartei zur Verfügung stellt und durch klare Aussagen und klares Handeln mit dem dabei natürlich einhergehenden hohen persönlichen Risiko durch das Setzen wirklich sichtbarer Zeichen gegen Nazis als Pirat Flagge zeigt, wird man irgendwann zum politischen Deppen, wenn man die zuvor genannten Vorfälle aus dem Bundesvorstand immer wieder ignoriert oder sie sogar – wie ich im Blog des Schockwellenreiters – rechtfertigt. Irgendwann ist es einmal zu viel.

In einem längeren Telefonat mit Thorsten Wirth, Beisitzer im Bundesvorstand der Piratenpartei, habe ich mehr Disziplin eingefordert. Dieser den Piraten eigentlich ja fremde Begriff erfährt seine politische Daseinsberechtigung bei den Piraten durch die Verantwortung, die sie übernommen haben bzw. übernehmen müssen, nachdem ihnen 850.000 Menschen durch ihre Stimme am 27. September 2009 das Vertrauen ausgesprochen haben. Spätestens jetzt also muss auch der letzte Pirat begreifen, dass Politik fortan kein “Game” ist und sich nur noch auf das fröhliche Schwenken orangefarbener Fahnen beschränkt. Jens Seipenbusch hat in einem ARD-Interview richtig eingefordert, dass sich die Piratenpartei professioneller aufstellen muss. Und dazu gehört doch wohl auch, dass sich der Bundesvorstand mit gutem Beispiel dabei an die Spitze setzt und sich mit Bedacht persönlich äußert. Wenn fast rhythmisch alle paar Wochen stattdessen ein Fauxpas nach dem anderen folgt, ist das weit weg vom Anspruch eines professionelleren Auftretens.

Und ich bin nicht nur Pirat. Ich bin auch an anderer Stelle ein politisch handelnder Mensch, der eigentlich auch keine Partei braucht, um politisch tätig zu sein, wenn er sich für Menschen-, Bürger- und Freiheitsrechte einsetzen will. Dafür gibt es ausreichend andere Organisationen wie Amnesty, attac und viele andere mehr. Meine Annahme, dass die Piratenpartei in ihren fünf Kernthemen viele Antworten auf die Fragen der  Zukunft bereithält, hat mich zum Eintritt bewogen. Der dilettantische Umgang mit der Verantwortung für die über 11.000 Mitglieder und die zwei Prozent der deutschen WählerInnen entsetzt und ärgert mich. Ein naives “Trotzdem weiter so” zerstört meines Erachtens nach die eigene Glaubwürdigkeit. Darum ruht meine Mitgliedschaft.

Ich habe also kein personelles Ultimatum gestellt, das vom Verbleib oder Nichtverbleib Aaron Koenigs im Bundesvorstand abhängig ist. So etwas steht mir zum Einen überhaupt nicht zu und ist zum Anderen völlig undemokratisch. Der Bundesvorstand wurde für einen Zeitraum von einem Jahr gewählt. Basta. Nur mich repräsentiert er erst dann wieder, wenn er piratischen Ansprüchen und der politischen Verantwortung gerecht wird. Dieses Recht mag man mir bitte zugestehen und beim Bloggen oder Kommentieren wahrheitsgemäß wiedergeben.

(Anmerkung: Das SPITBLOG hat zwischenzeitlich den Beitrag korrigiert. Danke dafür! Wenn es doch in der Bloggerwelt immer so fair und anständig zuginge …)

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4 Kommentare

  1. Lars sagt:

    Ich habe die entsprechende Passage mit einem Korrekturvermerk versehen und bitte um Entschuldigung, falls ich Deine Äußerungen fehlinterpretiert haben sollte.

    Nach wie vor hege ich jedoch die Hoffnung, daß Du Dir diesen Schritt noch einmal überlegst.

  2. Wolfgang Dudda
    Twitter:
    sagt:

    Wie ich meiner Anmerkung in meinem Beitrag bereits geschrieben habe, finde ich das sehr fair und korrekt von Dir, Deinen Beitrag so schnell zu korrigieren.

    Meine Mitgliedschaft ruht. Sofern der Bundesvorstand dazu übergehen sollte, dem gerecht zu werden, was nicht nur ich von ihm erwarte, gehe ich sofort wieder an Bord. Wenn nicht, rolle ich am 13.12.2009 auf dem Landesparteitag der Piraten in S-H meine Hängematte zusammen. Ob und wo ich sie dann wieder ausrolle, weiß ich jetzt noch nicht.

    Viel lieber bliebe ich Pirat. Nur dafür muss unser “Prisenkommando” auch so auftreten, dass die an Bord verbliebene Besatzung nicht als johlender Haufen in die Geschichte der politischen Karibik eingeht!

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