Beiträge getagged ‘Rechtsbruch’

So geht es nicht!

2 Mai 2010

Das, was auf diesem Video zu sehen ist, geht nicht und ist unerträglich:

Darüber muss man keine Sekunde diskutieren. Ein Aufrechnen mit dem, was seitens des Schwarzen Blocks veranstaltet wurde, verbietet sich gleichfalls als “Rechtfertigung”. Dieser Vorgang muss -- auch um der Glaubwürdigkeit polizeilichen Handelns willen -  aufgeklärt werden.

Die Straftaten derer, die den 1. Mai alljährlich quasi als Existenznachweis missbrauchen, müssen allerdings auch klar angesprochen werden, wenn man den 1. Mai in Berlin vollständig abarbeiten will. Dazu gehört für mich auch das Verhalten des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse, der zu den Blockierern gehörte, die gestern verhinderten, dass die Nazis ihrerseits den 1. Mai für ihre widerlichen Zwecke missbrauchen konnten. Hätten der Herr Thierse und seine KollegInnen im Deutschen Bundestag und in den Länderparlamenten ihre Hausaufgaben gemacht, wäre es überhaupt nicht nötig, zu blockieren. Die Nazis, ob sie nun unter dem Dach der DVU, der NPD oder irgendwelcher Kameradschaften versammelt sind, gehören als Verfassungsfeinde ohne Wenn und Aber sofort verboten! Insofern halte ich das Verhalten des Herrn Thierse also für Populismus.

Dass die Nazis gestern lediglich 800 Metern in Mäuseschritten gehen konnten, war gut. Dass die gezeigte Zivilcourage jetzt allerdings durch die Berichterstattung über die Vorgänge danach in den Hintergrund tritt, ist sehr, sehr schade und diskreditiert den dabei gezeigten Mut leider auch, weil er fälschlicherweise mit der Randale danach verbunden wird.

Der 1. Mai ist seit 1890 eigentlich der Tag der ArbeitnehmerInnen und der Gewerkschaften und nicht der Tag für Bürgerkriegsrituale in Kreuzberg oder Neukölln. Daran muss ich als Gewerkschafter erinnern dürfen. Meine KollegInnen  und ich gehen am 1. Mai lieber auf die Straße, um als Teil des DGB für die Interessen der Menschen Flagge zeigen, als den Hunderten von Überstunden weitere hinzufügen zu müssen. Mit der polizeilichen Ethik beschäftigen wir uns nachweislich auch gewerkschaftlich. Auf unserem Delegiertentag vor wenigen Tagen in Bamberg hat der Vortrag von Professor Dr. Gerhard Kruip „Die Würde des Menschen achten und schützen -- Ethische Orientierungen für den Polizeidienst” als Mahnung, Anregung und Diskussionsgrundlage gewirkt (als pdf hier downzuloaden).

Dass der Kampf um die Straße scheinbar wichtiger geworden ist als der um die richtige Meinung und die richtige Politik, muss die Parteien und Abgeordneten beschäftigen. Das von ihnen erzeugte Vakuum verlagert den Diskurs aus den Köpfen auf die Pflastersteine. Wer das Gefühl hat, mit seinen Wünschen und Lebensentwürfen vom Staat ernst genommen zu werden, nutzt den 1. Mai so, wie er gemeint ist. Wer innerlich emigriert ist, nutzt ihn so wie die Leute, die Gewalt gegen Menschen und Sachen anwenden. Dieses Phänomen kann die Polizei jedoch nie einer Lösung zuführen. Wer das ernsthaft erwägt, der baut auch die kleine rote Lampe aus, die anzeigt, dass zu wenig Öl im Motor des Autos ist, anstatt sich ums Öl selbst zu kümmern.

Weil es so schön war

26 Februar 2010

Weil es so schön war und weil wir spätestens jetzt wissen, was wir von wem zu halten haben, hier das Video von der Sitzung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zur Petition gegen das Zugangserschwerungsgesetz:

Das kommt eben dabei heraus, wenn “Internetausdrucker” sich um Sachen  kümmern, von denen sie so viel verstehen wie eine Kuh vom Tangotanzen.

Streetview-Mobile von Google in Berlin verwanzt

7 Februar 2010

Das ist doch mal eine äußerst coole Aktion! Die Leute von Free Art & Technology haben ein Google Streetview-Auto in Berlin mit einem GPS-Sender verwanzt. So können wir nun alle verfolgen, wo sich das Gefährt der Datenkrake befindet. Wer neugierig die Neugierigen beobachten will, kann dies hier tun. Eine recht große Karte, die Euch die Aktivitäten des Streetview-Mobils zeigt, könnt Ihr Euch hier anschauen: http://streetcar.fffff.at/ (Update der Karte alle zwei Minuten)

Wir dürfen alle gespannt sein, wie tolerant sich Google an dieser Stelle zeigt und wie Google es selbst mit der Transparenz hält.

Von Gesetzgebungsprämien, die früher Parteispenden hießen

19 Januar 2010

Hätten Freiheits- und Bürgerrechtler Geld, dann könnten sie sich eine Parteispende leisten und schwuppdiwupp wäre zum Beispiel das Zensurgesetz Geschichte und nicht nur für ein Jahr ausgesetzt, wie es der Kollisions(Koalitions)vertrag vorsieht. Hätten Arbeitnehmer nicht mehr damit zu tun, sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten, und stattdessen ein paar Euros übrig zur “Pflege der politischen Landschaft”, so gäbe es ELENA in der uns bekannten üblen Form wohl auch nicht.

Weil es jedoch anders ist und unsere Welt mittlerweile völlig schmerzrresistent geworden ist, so weit es um Politik und Moral geht, erzeugt die Käuflichkeit von Steuernachlässen nicht viel mehr als bitteres Lachen und morgen geht man zur Tagesordnung über. Schon in wenigen Wochen wird kaum jemand noch von dem Skandal reden. Darauf bauen die FDP und auch die CSU, die gleichfalls eine Gesetzgebungsprämie von der Substantia AG erhalten hat. Sich damit heraus zu reden, dass die “verzweifelte SPD” vor der Abwrackprämiengesetzgebung Spenden von der Automobilindustrie erhalten habe und niemand ernsthaft seinerzeit die Käuflichkeit von Politik in den Raum gestellt habe, greift nicht, weil eben auch die FDP solche Spenden beispielsweise von der BMW AG erhalten hat.

CDU/CSU, SPD und FDP wurden von der BMW AG kostenlos Fahrzeuge überlassen (so etwas nannte man früher “Product Placement”). Der FDP wurde diese kostenlose Überlassung mit 54 042,58 Euro als Parteispende zugerechnet, wie sich aus der Drucksache 16/12368 des Deutschen Bundestages vom 20. März 2009 ergibt.

Der SPIEGEL berichtet also über die Käuflichkeit von Politik durch Parteispenden. Die SPD sattelt moralisch darauf und empört sich. Guido Westerwelle und Co. nennen den Vorwurf absurd. Fertich aus!

Deswegen können wir Parteispenden also getrost als “Gesetzgebungsprämien” bezeichnen und künftig sehr genau prognostizieren, welche Gesetze verabschiedet werden. Man muss sich dazu nur die regelmäßigen Spendenberichte des Deutschen Bundestages anschauen, diese mit den anstehenden Wahlterminen abgleichen und weiß dann wohl, was auf uns zukommt. Dagegen erscheint das Gebaren einer Bananenrepublik vergleichsweise so etwas wie ein Volkshochschulkurs für Demokratie zu sein.

So viel Tinte kann gar nicht trocknen

21 November 2009

Füllhalter MontblancWie überall nachzulesen ist, haben sich 115 Parlamentarier 396 Füllfederhalter und Stifte einer teuren Marke im Gesamtwert von 68.800 Euro gegönnt. Neben ihrer monatlichen  Kostenpauschale in Höhe von 3868 Euro, um zum Beispiel Telefonkosten, Bleistifte, Kulis und Klebstoff zu bezahlen, kann jeder Abgeordnete jährlich zusätzlich maximal 12.000 Euro für Büro- und EDV-Kosten über ein Sachleistungskonto abrechnen.

Selbst Abgeordnete, die bereits wussten, dass sie nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein werden, haben noch einmal richtig zugelangt. Da ist der Name des gewählten Edelfüllhalters “Montblanc” möglicherweise Programm. Das wäre dann nämlich nur die Spitze des Eisberges. Warten wir ab, was noch an parlamentarischer Verschwendung ans Tageslicht kommt.

Und dann wundern sich unsere Parlamentarier, wenn die Wahlbeteiligung von Wahl zu Wahl sinkt. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich erbrechen möchte …

Warum war gestern hier nichts los?

20 November 2009

Am Mittwoch und bis zum gestrigen Mittag habe ich zusammen mit meinen  KollegInnen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im empfehlenswerten “Hotel Sonnenblick” in Bebra einige Weichen für unsere gewerkschaftliche Zukunft gestellt. Wir waren dabei recht fleißig und haben ein wahrlich umfangreiches Pensum erledigt. Während der beiden Tage habe ich des öfteren überlegt, wie wohl die Piraten so viele Themen abgearbeitet hätten. Und wer schon einmal Diskussionen, an denen mehr als drei Piraten beteiligt waren, erlebt hat, weiß, was ich meine. Die basisdemokratische, sympathische Ineffizienz der Piraten wird – davon bin ich felsenfest überzeugt – nach und nach zugunsten einer zielführenderen Arbeit optimiert werden können. Dabei müssen piratische Grundüberzeugungen durchaus nicht aufgegeben werden. Strafferes Zeitmanagement, Professionalität und Effizienz sind ja absolut keine Mysterien. Ich fand es jedenfalls bei meinen Gewerkschaftern nach einer längeren Zeit des ausschließlich piratischen Arbeitens wohltuend gut organisiert und strukturiert.

Prof. Hans-Joachim Selenz
Von Bebra aus bin ich dann zu Professor Hans-Joachim Selenz gefahren. Wir haben uns 2 1/2 Stunden lang wunderbar unterhalten und sehr, sehr viele gemeinsame Überzeugungen entdeckt. Gemeinsam werden wir Dinge auf den Weg bringen, die der Rückkehr von Moral, Anstand und Rechtsstaatlichkeit in das politische Leben helfen sollen. Wir beide finden, dass es einen unbedingt zu unterbrechenden Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Stellung eines Beschuldigten und der dann ablaufenden Strafverfolgung gibt. Je höher das soziale Ranking eines Beschuldigten ist, um so weniger muss er damit rechnen, dass seine Verfehlungen gerichtlich geahndet werden. Dieser unsägliche Mechanismus kann im ersten Schritt nach unsere Auffassung nur durch wirklich unabhängige Staatsanwaltschaften, die frei von politischen Weisungen ihre Arbeit verrichten können, zerstört werden.

Ich bin überzeugt davon, dass wir eine gute Arbeit leisten können und werden.

Gegen Ende des Gesprächs konnte ich Professor Selenz das piratische Verständnis von Transparenz und Liquid Democracy näher bringen. Diesen Gedanken begegnete er genau so interessiert wie unseren Vorstellungen von einem freien, für alle Menschen zugänglichen Wissen. Eher skeptisch war Professor Selenz bei der praktischen Umsetzbarkeit dieser Punkte und beim Thema Patentrecht. Zur Ablehnung von genmanipulierten Lebensmittel hatten wir schnell Konsens, so wie dies auch der Fall war bei den Vorstellungen von Schwarz-Gelb, Zeugen demnächst auch zwangsweise von Ermittlungsbeamten vorführen lassen zu können. Das überall zu beobachtende Organisationsversagen der Justiz, in deren Händen aus guten Gründen (Gestapo, Stasi) diese Befugnis bislang liegt, darf doch nicht dazu führen, dass Bürgerrechte in einer Weise ausgehöhlt werden, die die Polizei zum justiziellen Lückenbüßer macht.

Ich habe also gestern den erwartet klugen Mann getroffen und einen tollen gedanklichen Austausch gehabt. Als ich dann gestern gegen 21:00 Uhr endlich wieder zu Hause war, hatte ich der Müdigkeit geschuldet keine Lust mehr auf das Bloggen.

Heute bin ich im Fernsehen

16 November 2009


Ich bin ja nicht nur Pirat. Nein, ich bin auch Gewerkschafter in der Gewerkschaft der Polizei. In dieser Funktion könnt Ihr mich heute um 21:00 Uhr in der WDR-Sendung “MARKT” in einem Interview sehen. Aufgenommen wurde das im Gebäude der Bundespressekonferenz in Berlin. Und wozu sage ich da was?

Es geht um die Sichtweise meiner Gewerkschaft zum Thema Zigarettenschmuggel, Organisierte Kriminalität und deren Folgen. Diese Sichtweise unterscheidet sich erheblich von der des Bundesfinanzministeriums, das nicht nur nach unserem Eindruck die Lage völlig unterschätzt und verniedlicht.

Ich habe das Interview so in Erinnerung, als hätte ich mich besonders klar und deutlich ausgedrückt …

Bis zum letzten Blutstropfen

29 Oktober 2009


Nach meiner Kenntnis war es die Waffen-SS, die als letzte Organisation in Deutschland Wert auf einen Bluttest vor der “Einstellung” legte. Seitdem war man hierzulande vernünftig genug, darauf zu verzichten. Der deutsche Konzern DAIMLER hat offenbar irgendwelche Vorteile darin erkannt, seinen Bewerbern eine Blutprobe abzufordern.  Auf seiner Homepage finden wir natürlich nichts dazu.

Zu gerne wüsste ich natürlich, was DAIMLER mit den Blutproben macht und welche Ausschlusskriterien dort formuliert worden sind. Dass DAIMLER bekanntlich nicht zimperlich ist, wenn es um Mitarbeiterdaten und dabei insbesondere um Krankendaten geht, wurde und wird nicht mehr in Frage gestellt. Und wenn man bei WIKIPEDIA u.a. das hier zu lesen bekommt, fragt man sich, wie taub das Fingerspitzengefühl der Personalabteilung bei DAIMLER ist:

Berichten zufolge war die Daimler-Benz AG maßgeblich an der Rüstung im Dritten Reich beteiligt; die mangelnde Aufklärung und späte, relativ geringe Auszahlung einer Entschädigung sorgte für Kritik.[28]

Auch über das Verhalten in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde berichtet. Angeblich veranlasste die Mercedes Benz AG, dass in die 1951 gegründete Fabrik Mercedes Benz Argentina ehemalige Nazi-Größen, die nach Südamerika ausgewandert waren, eingestellt wurden.[29]

Naja, Schwarz-Gelb hat sich ja einen verstärkten Arbeitnehmerdatenschutz auf die Fahnen geschrieben. Für den entsprechenden Wind, der diese Fahnen fröhlich flattern lässt, sorgen Unternehmen wie DAIMLER. Aber die sorgen bekanntlich auch für anderes. DAIMLER ließ der CDU 170.000,- € und der SPD 150.000,- € im März 2009 als Spende zukommen. Eben so wie man es immer schon zur “Pflege der politischen Landschaft” gemacht hat. Und wieso fällt mir ausgerechnet an dieser Stelle der Volksmund ein, der sagt “Beiße nicht die Hand, die Dich füttert!”???

Weise, böse Worte von Professor Selenz

22 Oktober 2009

Eigentlich hatte ich mich bereits vor Wochen mit Professor Hans-Joachim Selenz in bei ihm zu Hause in der Nähe von Peine treffen wollen. Daraus wurde wegen meiner Erkrankung erst einmal nichts. Aber, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Und wie spannend das Treffen sein wird, könnt Ihr erahnen, wenn Ihr die beiden Kommentare von ihm lest, die er mir soeben per Mail übermittelte. Zunächst widmet sich Professor Selenz dem Thema “Gleiches Recht für alle..”:

 Prof. Hans-Joachim SelenzGLEICHES RECHT FÜR ALLE …

Nicht erst seit der Zwei-Klassen-Grippeimpfung fragt sich mancher Bürger, ob er in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft lebt. „Sechs Maultaschen reichen für eine Kündigung!“ Diese Schlagzeile ist ebenfalls keine Presse-Ente. Sie beschreibt vielmehr den Zustand von Teilen unserer Justiz. Und das in einem Land, in dem gerade die Justiz häufig die Rolle einer politisch willfährigen Zwei-Klassen-Institution spielte. Der Untertan brillierte schon in Heinrich Manns Justiz-Drama. Er ist – viel zu oft – noch immer Justiz-Hauptdarsteller. Wer in Deutschland eine Bank mit der Pistole ausräumt, landet im Knast. Wer sie indes als Vorstand ausraubt, bleibt in aller Regel unbehelligt.

 

Die Zwei-Klassen-Justiz weiß, was sie zu tun hat. In Zeiten schlechter Auslastung zeigen Firmen große Phantasie beim Abschieben überzähliger Mitarbeiter. Arbeitsgerichte folgen den Phantasien nicht selten überaus servil. Insbesondere dann, wenn es sich um Konzerne handelt. Unbescholtene Bürger werden der Öffentlichkeit als Kriminelle präsentiert. Das Motto: Haltet den Buletten-Dieb.

 

Ist der Verzehr einer Bulette – noch dazu beim Zubereiten eines kalten Buffets – tatsächlich kriminell? Ist die „Entwendung“ von Aufstrich für ein Brot kriminell, der Verzehr abgelaufener Lebensmittel oder das Aufladen eines Handys bei einem Stromverbrauch von 0,0016 Cent? Um nicht missverstanden zu werden – Diebstahl ist ein Vergehen. Aber sind diese Handlungen wirklich Diebstahl und als kriminell einzustufen? Die Firma habe dies per schriftlicher Anweisung verboten. Daher sei es kriminell, unabhängig vom jeweiligen Wert – so die Justiz. Gleiches Recht für alle!

 

 Schriftliche Anweisungen hält auch das Aktiengesetz parat. Ebenso wie das Strafgesetzbuch. Kein Mensch käme allerdings in Deutschland auf die Idee, den Chef einer großen Aktiengesellschaft öffentlich zu stigmatisieren, nur weil er einmal die Woche den Wagen seiner Frau waschen und auftanken lässt – auf Kosten der Firma. Weil er sich zum Geburtstag ein Jagdgewehr schenken lässt – auf Kosten der Firma. Weil er die Wirtschaftsprüfer besticht oder die Frau den Firmenjet für die Einkaufstour nutzt – auf Kosten der Firma. Das sind hierzulande lässliche Petitessen. Der Vorstand ist jedoch nicht Besitzer einer AG. Er ist lediglich deren Verwalter. Bei Selbstbedienung auf Kosten der Aktionäre schaut die Justiz in Deutschland gerne gelangweilt weg. Gleiches Recht für alle?

 

Man muss hierzulande auf der richtigen Etage arbeiten. Auf Chefetagen sind Wildwest-Manieren häufiger anzutreffen als Otto Normalverbraucher ahnt. Recht und Gesetz spielen oft nur eine untergeordnete Rolle. Eine wichtige Funktion hat dabei der Staatsanwalt. Der ist in Deutschland politisch weisungsgebunden. Hat man die Politik im Griff, so hat man auch die Justiz in der Tasche. So etwas nennt man Herrschaftswissen. Dazu genügt es oft schon, wichtige Politiker an der Leine zu haben. Politiker abhängig zu machen, ist keine Kunst. Es funktioniert mit Geld, aber auch ohne. Männer im gesetzten Alter sind besonders anfällig. Bei der WestLB nutzte man für diesen Zweck z. B. einen Bordell-Jet. WestLB Chef Neuber, der den Jet bezahlte, blieb trotz Milliardenbetrügereien bis zu seinem Tod unbehelligt. Wenn trotzdem mal ein Boss – wie Post-Bank-Chef Zumwinkel – öffentlich vorgeführt wird, so hat auch das Methode. Der Mann hatte sich zuvor mit den falschen Leuten angelegt. Sein Herrschaftswissen bewahrte ihn indes final doch noch vor dem Gang in den Knast.

 

Denn selbst wer als Boss die Gesetze nicht kennt, hat auf deutschen Chefetagen nichts zu fürchten. Deutsche Bank-Chef Ackermann musste im Mannesmann-Prozess zugeben, das deutsche Aktienrecht nicht zu kennen – “Herr Ackermann und der Führerschein“. Als Angehöriger des Prekariats hätte ihm das bestenfalls Häme eingebracht – und den Rausschmiss beschleunigt. Denn jeder Bürger weiß: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Herr Ackermann verlor hingegen weder sein Amt noch seine Aufsichtsratsmandate. Dass er Aktiengesellschaften führen und überwachen kann, ohne die rechtlichen Vorgaben zu kennen, ist unter rechtsstaatlich korrekten Bedingungen zwar undenkbar. Bereits vor dem Prozess wurde ihm allerdings von der Kanzlerin eine weiße Weste attestiert. Polit-Vorgabe für die Justiz. Den Strafbefehl bezahlte Ackermann aus seiner Portokasse und machte danach unbeschwert weiter. Als sei nichts geschehen. Die Kanzlerin lud ihn danach sogar zum Dinner ins Kanzleramt. Ob es dabei Buletten oder Maultaschen gab, ist nicht überliefert. Die sechs kriminalisierten Maultaschen wären übrigens im Mülleimer gelandet. Gleiches Recht für alle…

Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang von mir die vielleicht nicht ganz unbedeutsame Spende von 200.000 €, die Deutsche Bank der CDU am 20.03.2009 zukommen ließ. Böse, wer da denkt, das Geburtstagsmahl des Herrn Ackermann hätte irgendetwas mit der Spende zu tun … Aber Professor Selenz kümmert sich ja bestens um den bereits vom MdB Hans-Peter Bartels als “Verbreiter des Victory-Kapitalismus” bezeichneten Josef Ackermann und würdigt ihn in seinem zweiten mir übersandten Kommentar so:

HERR ACKERMANN UND DER “FÜHRERSCHEIN”

Deutsche-Bank-Chef Ackermann habe im Mannesmann-Prozess „zugeben müssen, dass er das deutsche Aktienrecht nicht kenne.“ Heftige Kritik von Harald Petersen, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger an Josef Ackermann. „Wir sind froh, dass der Verstoß gegen das Aktienrecht nun vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wird.“ „Die WELT“, 4. August 2004.

 

Man reibt sich die Augen. Wohlgemerkt – wir befinden uns in Deutschland. In Deutschland, wo man für jedwede Tätigkeit einen Schein braucht. Ein Handwerker ohne Meisterbrief wird sofort gestoppt. Wer ohne Schein angelt, der riskiert ein Strafverfahren. Jagen ohne Jagdschein ist kriminell. Boot fahren ohne Führerschein ist verboten – mit Motor ebenso wie unter Segeln. Sogar der Betrieb einer Frittenbude ohne Schein führt zum sofortigen Einschreiten der Behörden. Fahren ohne Führerschein ist in Deutschland schlechterdings undenkbar. Die Polizei schritte unbarmherzig zur Tat. Der Übeltäter ohne Fahrlizenz würde sogleich aus dem Verkehr gezogen. Wer aber überprüfte den „Manager-Führerschein“ von Herrn Ackermann?

 

Den „Führerschein“ von Herrn Ackermann definiert nicht nur das Aktiengesetz. Nach festen Vorgaben – versteht sich. Darauf verlassen sich die Aktionäre als Besitzer der AGs. Nach Aussage der Richterin hat Ackermann das Aktiengesetz verletzt. Die Mannesmann AG mutierte zum SB-Laden für Vorstände und Aufsichtsräte. Anschließend wurde der Laden zerlegt. Den „Führerschein“ präzisiert das „Gesetz über das Kreditwesen“ (KWG). Es regelt die Anforderungen für die „Zulassung zum Geschäftsbetrieb“. Hier lesen wir in § 32 – Erlaubnis – von der „Zuverlässigkeit“ dessen, der Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will. Nach § 33 wird die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb versagt, wenn „Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß ein Antragsteller oder eine der in § 1 Abs.2 Satz 1 bezeichnete Person nicht zuverlässig ist. Die fachliche Eignung …setzt voraus, daß sie (die Personen) in ausreichendem Maße theoretische und praktische Kenntnisse in den betreffenden Geschäften sowie Leitungserfahrung haben.“ Ungeeignete Geschäftsleiter kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) abberufen. Nach § 36 kann sie ihnen auch die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagen. Chef der Bafin ist Herr Sanio. Er ist damit oberster Bank-Polizist der Republik.

 

Herr Ackermann ist Chef der größten Bank im Lande. Als Schweizer Staatsbürger, steht er für Weltläufigkeit im Vorstand der Deutschen Bank. Sein Victory-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses sorgte für Aufsehen. Das hatte er sich bei Michael Jackson abgeschaut. In den USA – versteht sich. § 93 AktG definiert die Voraussetzungen für die Berufung in den Vorstand einer AG. Wie er angesichts der identischen Bestimmungen von § 116 AktG Aufsichtsrat von Bayer, Linde, Lufthansa und Siemens werden konnte? Ein Rätsel. Ein Aufsichtsrat ohne spezifische Gesetzeskenntnisse. Damit ist auch klar, warum Richterin Koppenhöfer ihn nicht verurteilte. Da er das AktG nicht kannte, handelte er arglos und gänzlich ohne böse Absicht…..

 

Herr Ackermann beklagte sich: Nur in Deutschland stelle man Manager vor Gericht, die Werte schaffen. Damit meint er wohl, die zivilisierte Welt müsse mit Abscheu auf dies Land schauen. Nicht nur hier irrt Herr Ackermann. Die Werte, von denen er sprach, waren virtuell. Eine finanzielle Fata-Morgana sozusagen. Bilanzielle Luftspiegelungen. Ackermanns „Milliarden-Werte“ lösten sich buchstäblich in Luft auf. Nun soll sogar der deutsche Steuerzahler bluten.

 

Im Mannesmann-Prozess wurde eines klar: In diesem unserem Lande gibt es Manager, die nicht einmal die Regeln zur Führung der ihnen anvertrauten Unternehmen kennen. Deutschland ist damit das einzige Land der zivilisierten Welt, das Manager ohne „Führerschein“ nicht aus dem Verkehr zieht. Die gesetzlichen Vorgaben dazu hätten wir. Sie werden aber nicht angewandt, da sie offenbar nur für Buchhalter gelten. Herr Sanio, wann schreiten Sie als Bank-Polizist zur Tat?

Es war mir eine Freude, das hier zu veröffentlichen, Herr Professor Selenz! Gilt das Gesagte nicht auch für den Herrn Nonnenmacher von der HSH-Nordbank?

Ach, Herr Steinbrück …

23 September 2009

Die Stammleser der Alltäglichen Wahrheiten wissen, dass das von Peer Steinbrück geführte Bundesfinanzministerium ein gelinde gesagt eigenartiges grundgesetzliches Verständns praktiziert hat, das einem Verbot meiner Gewerkschaft, der Gewerkschaft der Polizei (GdP), de facto gleich kam und die Koalitionsfreiheit gem. Artikel 9 unseres Grundgesetzes aufhob. Diesen “klaren, politisch gewollten Rechtsbruch” (O-Ton Konrad Freiberg im SPIEGEL dazu) habe ich mit einem Ausschlussantrag Peer Steinbrücks aus der IG-Metall bedacht, wie Ihr hier nachlesen könnt.

Jetzt nach über 2 1/2 Jahren praktiziertem Verfassungsbruch und unmittelbar vor der Bundestagswahl unterstützt durch etliche Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichte macht man im BMF die Kehrtwende und hebt den unsäglichen Erlass, den Peer Steinbrück in einem an die GdP persönlich ausdrücklich verteidigt hatte, auf.

Meine Stammleser sind klug genug, die wahre Botschaft des Herrn Steinbrück zu erkennen, oder?

Wer im Glashaus sitzt …

4 September 2009

… der sollte nicht Steinen werfen. Das gilt auch für die Jusos, denen es gelungen ist, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen dabei zu erwischen, wie er einmal mehr Ausländer verunglimpft und beleidigt. Dieses Mal waren die Rumänen und Chinesen dran, wie Ihr Euch hier anschauen könnt:

Nun aber zurück den Glashaus-Jusos. Euer Peer Steinbrück missachtet wissentlich und willentlich den Artikel 9 des Grundgesetzes (Koalitionsfreiheit) und verbietet de facto eine DGB-Gewerkschaft in seinem Ministerium.

Zensur kommt ohne Lügen eben nicht aus!

1 August 2009

Die Zensur findet in Deutschland später als von den Zensoren geplant statt, wie der ARD-Videotext meldet:

ARD-Videotext, Seite 125 am 1. August 2009
Aha. “Vorsorglich” meldet man es der EU-Kommission. Und damit macht sich sogar die als besonders seriös geltende Tagesschau zum Werkzeug von Zensursula & Co., denn so ist das eine glatte Lüge!

Tatsächlich musste die Bundesregierung das Gesetz der EU “melden”, weil die EU-Richtlinie 98/34/EG dies vorschreibt. Der sehr informative Eintrag im “ODEM.blog” führt dazu weiter aus:

Gesetze, die sich mit „Diensten der Informationsgesellschaft“ befassen, den anderen EU-Mitgliedsstaaten vorlegen. Diese können dann Einspruch einlegen und die EU-Kommission kann dann zum Beispiel feststellen, dass diese Regelung zur Harmonisierung des Binnenmarktes EU-weit getroffen werden sollte. Oder eben, dass eine andere oder keine Regelung getroffen werden sollte. Prof. Thomas Hoeren hat dies ausführlicher beschrieben.

Das Vorlegen solcher Gesetze hat demnach auch vor deren Verabschiedung zu erfolgen. Zensursula & Co. haben der EU jedoch das Gesetz erst am 7. Juli 2009 vorgelegt. Nicht nur das: Man hat der EU zudem noch das falsche Gesetz in einer Fassung präsentiert, die nicht die ist, über die abgestimmt wurde. Was man der EU vorlegte, war ein Entwurf, der vielfach umgekrempelt wurde, bis man ihn ins Parlament brachte.



Das “ODEM.blog” führt dazu weiter aus:

Nein, es war der alte Gesetzesentwurf, der nochmal komplett umgeschrieben wurde! Die wissen also mal wieder nicht was sie tun.

Offensichtlich hat man dies nun heute auch gemerkt und schnell eine neue Version hinterhergeschoben. In der Zwischenzeit ist in deutscher Sprache nur noch die neue Version online, die anderen Sprachen enthalten noch die alte Version …

Hier zum Vergleich die Word-Dokumente:

  • Alte Version (auch als PDF), enthält die Dokument-Infos:
    Erstellt am: 08.07.2009 11:29:00; Autor: werth
    Geändert am: 08.07.2009 11:29:00; Autor: geerkma
  • Ins Englische übersetzte Version (auch als PDF), enthält die Dokument-Infos:
    Erstellt am: 22.07.2009 15:53:00; Autor: werth
    Geändert am: 22.07.2009 15:53:00; Autor: JosXP
  • Aktualisierte Version (auch als PDF), enthält die Dokument-Infos:
    Erstellt am: 31.07.2009 09:05:00; Autor: eger.gudrun
    Geändert am: 31.07.2009 09:05:00; Autor: westbomke.konrad

Und jetzt stellt sich noch die Frage, warum die alte Version das Datum 8.7. hat, aber laut EU die Meldung am 7.7. verschickt wurde. Vermutlich haben sie da auch schon mal ein Dokument ausgtauscht …

Streng genommen müsste die Frist aufgrund des getauschten Dokuments nun also bis November laufen. Und alles neu übersetzt werden. Auf jeden Fall ist anzunehmen, dass das Wirtschaftsministerium das Gesetz erst dann Bundespräsident Horst Köhler schickt, wenn die EU-Frist abgelaufen ist. Also nicht vor dem 7. Oktober. Das ist auch der Grund, warum es noch nicht schon jetzt in Kraft treten kann.

Bestenfalls ist so etwas als Pfusch zu bezeichnen. Ernsthaftes und verantwortliches europäisches Handeln sieht anders aus. Die EU möchte gleiche Rechte für alle Bürger, was natürlich nicht geht, wenn über 80 Millionen Bundesbürger Zensur erleben und der Rest der EU-Bürger nicht.

Lug und Trug sollen also die Beerdigung des Artikels 5 unserer Verfassung auf EU-Ebene zu einer fröhlichen, unbeschwerten Veranstaltung machen! So schäbig, wie man mit uns umgeht, behandelt man also auch das EU-Recht.

Schlampigkeit, Doppelmoral und Dilettantismus vereinigen sich unter der Regie einer Bundesregierung, die sich zum Steigbügelhalter von Zensursulas Populismus erniedrigt!

Fristlose Kündigung wegen 0,014 Cent

31 Juli 2009

Nach fünfzehn Jahren Betriebszugehörigkeit wird der Oberhausener Mohammed Sheik von seiner Firma fristlos gekündigt, weil er seine Firma um einen Euro geprellt haben soll.

Handy laden (Bild: FlickR)
Sein Fehler: Er hat sein Handy in der Firma aufgeladen und dabei Strom “gestohlen”!

Als ich vorhin den Beitrag in der WDR-Lokalzeit Essen gesehen habe, wollte ich es zunächst nicht glauben. Der Anwalt des auf diese Weise kalt Entlassenen hat ausgerechnet, dass sein Mandant bei 200 Arbeitstagen sein Handy tagtäglich drei Jahre lang aufladen müsste, um die von der Firma genannte “Summe” von einem Euro zu verbrauchen. Der Strom in Oberhausen kostet 21 Cent/kwh.

Das ist die dreisteste Kündigung, von der ich je gehört habe!

Rechtsstaatlich ist irgendwie anders

17 Juli 2009

Peer Steinbrück
Mein “Lieblingspezialdemokrat” Peer Steinbrück und seine Parlamentarische Staatssekretärin Nicolette Kressl kümmert die Rechtssprechung höchster Gerichte nicht viel. Ganz im Gegenteil, fallen Urteile so aus, dass der Steuerzahler von ihnen begünstigt wird, so werden diese Urteile entgegen jahrzehntelanger, bewährter Praxis eben nicht mehr im Internet oder dem Bundessteuerblatt veröffentlicht. Das weiß das HANDELSBLATT und stellt fest:

Nachteile für den Steuerzahler sieht Staatsekretärin Kressel nicht: “Den Steuerpflichtigen ist es nicht verwehrt, sich auf eine im Bundessteuerblatt noch nicht veröffentlichte BFH-Entscheidung zu berufen und ggf. den Rechtsweg zu beschreiten”, schreibt Kressel in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler. Wie der Steuerzahler von dem für ihn vielleicht günstigen, aber unveröffentlichten Urteil erfahren soll, schreibt sie nicht. Dafür formuliert Kressel spitzfindig: “Eine unterlassene oder erst mit zeitlicher Verzögerung erfolgende Veröffentlichung eines BFH-Urteils im Bundessteuerblatt kann somit für sich allein das Steueraufkommen nicht beeinflussen.”

Einmal mehr demonstriert das Bundesfinanzministerium damit, das man ihm keinesfalls trauen kann als Steuerzahler. Das bei uns geltende Rechtsstaatprinzip verlangt eindeutig eine andere Verhaltensweise. Und dazu passt es überhaupt nicht, dass der Steuerzahler bewusst dumm gehalten wird und nur der, der sich einen pfiffigen Steuerberater leisten kann, Recht bekommt. Gerne erinnere ich daran, dass es sich bei Peer Steinbrück auch um den stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD handelt.

Selbstgefällig und selbstgerecht verbietet er Gewerkschaften in seinem Zuständigkeitsbereich und trickst an anderer Stelle den Steuerzahler aus.

Achja, und wie peinlich ist das denn? Das Handelsblatt kennt die richtige Schreibweise des Namens der Staatssekretärin KRESSL nicht.

Ich ertrage seine Doppelzüngigkeit nicht mehr

3 Juli 2009

Peer Steinbrück
Mit dem üblichen Getöse wurde heute im Bundestag das Normalste der Welt verabschiedet. REUTERS meldet:

Der Bundestag verabschiedete am Freitag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der Grünen das Gesetz zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrag mit Hilfe ausländischer Steueroasen.

Der dem Staat verlustig gehende Betrag wird mit 100 Milliarden Euro beziffert. Damit hört es sich so an, als ob der Staat demnächst genau diesen Betrag verplanen könne. Pustekuchen! Das ist ungefähr so, als wenn ich den schnellsten Rechner der Welt kenne und auch weiß, was ich mit alles anstellen werde. Nur dummerweise steht er unerreichbar für mich in einem teuren Rechenzentrum.

Steinbrücks Fähigkeiten, die Steuerhinterziehung und das mit womöglich noch in Verbindung stehende organisierte Verbechen zu bekämpfen, sind nämlich nicht so dolle ausgeprägt. Der Verbalkriminalisierer ähnelt da eher dem bellenden Hund , der sowieos nicht beißt. Beispiel gefällig? Na, dann schaut Euch doch mal diese aktuelle Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion an:

Anfrage-FDP

Zum besseren Verständnis für Euch:

Die Leitung des Bundesfinanzministeriums (BMF) hält die große Mehrheit der Bürger für ehrliche und gute Menschen, die brav ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. Gleiches gilt auch für Unternehmen. Deswegen sieht das BMF den Zoll als Dienstleister, der allen helfen soll, mit ihren steuerlichen Pflichten und Rechten klar zu kommen. Für die ganz wenigen Menschen, die diesem Ideal nicht entsprechen, hält das BMF den Zollvollzug (Zollfahndung und andere Kontrolleinheiten) parat, die sich als “Annex” (wortwörtliche Bezeichnung des BMF dafür) kümmern sollen. Der “Annex” braucht und bekommt keine polizeilichen Befugnisse, denn das zerstört ja das gesamte unrealistische Weltbild.

Dass der Zigarettenschmuggel durchweg straff und äußerst effizient organisiert ist und sich der gesamten Klaviatur der Kriminalität bedient, ignoriert man im BMF wissentlich genau so wie die stetig steigende Gewaltbereitschaft der daran Beteiligten. Erst gestern hat ein Schmuggler in Fürstenwalde gezielt ein Zollfahrzeug gerammt undversucht zu flüchten. Und das wegen nur (?!?) 200 Stangen der Marke Jin Ling. Diese Marke, die hier nicht verkehrsfähig ist, wird in Kaliningrad und der Ukraine nahezu ausschließlich für unseren Markt produziert und hat gänzlich ohne Werbung den achten Platz auf der Verkaufshitparade erklommen.

Praxisnahen und vernünftigen Vorschlägen aus den Reihen von Experten wie verweigert man sich im BMF, nur um ja nicht Abschied von einem längst überlebten Dogma nehmen zu müssen. Peer Steinbrück unterstützt dieses Treiben seiner Ministerialen, die nicht ansatzweise wissen, was auf Deutschlands Straßen los ist. Stattdessen begeht man politisch begründete Rechtsbrüche und verstößt gegen Artikel 9 GG, der die Koalitionsfreiheit garantiert. Die gilt im BMF nur, wenn man einer “braven” Gewerkschaft angehört. Meine Gewerkschaft (GdP) ist weniger brav und auch ein wenig stolz darauf, dass sie so von den Ministerialen gesehen wird.

Summa summarum könnte Peer Steinbrück also an einer wirklich existenten kriminellen Front etwas tun, wenn der denn wollte. Zumindest könnte er doch auch die Angehörigen der wirklichen Organisierten Kriminalität verbal genau so kriminalisieren wie er das presse- und medienwirksam als Elefant im schweizerischen Porzellanladen gemacht hat. Das würde uns schon helfen.

Aber da ähnelt er Zensursula. Laut tönen, auf sich aufmerksam machen, jedoch den praktischen Nutzwert der eigenen gehypten Existenz gegenüber dem Wahlvolk schuldig bleiben.

Tröten ist eben wichtiger als Machen!

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