Der Presserat ist auch nicht mehr das, was er mal war

17 März 2010 von Wolfgang Dudda Kommentieren »

Am Tag nach der Bundestagswahl veröffentlichten die “Kieler Nachrichten” die Wahlergebnisse und brachten dabei meine mathematische Logik durcheinander. Statt der Ergebnisse der Piratenpartei, die deutlich mehr Stimmen bekam als die NPD, wurden eben die Ergebnisse der NPD veröffentlicht. Natürlich habe ich sofort bei den “Kieler Nachrichten” nachgefragt, um zu erfahren, welche seltsame Begründung oder welcher menschliche Fehler dahinter steckt. Meine schlichte Anfrage überforderte die Redaktion jedoch offensichtlich. Eine Antwort erhielt ich (immerhin Abonnent) nicht. So schrieb ich deswegen also den Presserat an, der mir heute (nach 5 1/2 Monaten) antwortete. Und diese Antwort hat es so sehr in sich, dass ich sie Euch keinesfalls schuldig bleiben möchte:

Presserat zu NPD-Wahlergebnissen statt Piratenparteiergebnissen in den “Kieler Nachrichten”

Man könnte ja noch gutwillig über die abstruse Begründung hinweg sehen, wenn es nicht so gewesen wäre, dass die “FREIEN WÄHLER” noch weniger Stimmen hatten, dafür aber Erwähnung auf den Seiten der “Kieler Nachrichten” fanden. Und wenn die angeführte Begründung tatsächlich auch die der “Kieler Nachrichten” war, warum, bitteschön, konnten mir die Redakteure diese Antwort nicht selbst geben?

Auf Eure Kommentare dazu bin ich dieses Mal natürlich besonders gespannt!

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3 Kommentare

  1. BuMa sagt:

    Die Begründung ist wirklich selten dämlich. Ich vermute allerdings eher, dass von Anfang an geplant war, jene Parteien gesondert darzustellen, die in irgendwelchen Länderparlamenten sitzen.

  2. carluv sagt:

    Der Presserat hat Recht. So frei sollte eine Redaktion sein, zu entscheiden, in welcher Form sie Wahlergebnisse veröffentlicht. Und die Piraten, bei aller Sympathie, sind nun mal nur eine “andere” Partei, auch wenn sich manche unter ihnen, auch sympathische, als “die” Partei sehen. Dazu gehört, dass ein Vorstandsmitglied der Piraten eben nur ein Vorstandsmitglied einer anderen Partei ist, dessen Leserbriefe möglicherweise zu den anderen paar hundert unbeantworteten wandert, vor allem, wenn es sich um eine Lappalie handelt. Denn mehr ist es nicht, jetzt mal aus der Perspektive außerhalb der Piraten gesehen.
    Mit dem Schimpfen und Klagen gegen die angeblich voreingestellte Presse erreicht man nur zwei Dinge: Erstens die Verärgerung der Journalisten und damit eine geringere Bereitschaft, über die Piraten zu berichten, und zweitens den Zweifel der Wähler, wie ernst es die Piraten mit der Pressefreiheit eigentlich meinen.

  3. Lex sagt:

    @Carluv

    Prinzipiell hast du recht, allerdings erscheinen diese Vorgänge im Licht der doch recht fragwürdigen Vorgeschichte und der Berichterstattung des SH:Z vor der Wahl doch etwas anders als nur die freie Entscheidung der Redaktionen

    Und das “Schimpfen und Klagen gegen die angeblich voreingestellte Presse” kann es nicht verschlimmern, da man die Piraten komplett ignoriert und Totgeschwiegen hat.
    Selbst negative Presse ist besser als keine,
    erst recht solange ein großer Teil der Bürger nicht mal von der Existenz der Piraten wissen.

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