Die Erde ist immer noch kein Rumsfeld, Aaron!

12 Februar 2010 von Wolfgang Dudda Kommentieren »

Eigentlich hatte ich mir so fest vorgenommen, den „Sandkasten-Ribbentropp“ der Piratenpartei, „Aaron“ Stefan König, in meinem Blog nicht mehr vorkommen zu lassen. Viele Piraten erwarten von mir, dass ich mich zu den abstrusen Kriegstreibertheorien äußere und haben mich deshalb angemailt und auch über Twitter einen Blogpost von mir gefordert. Ich habe mir 24 Stunden Zeit gelassen und nachgedacht. Den Ausschlag hat Fefe letztlich gegeben, der völlig zu Recht feststellt, dass wir Piraten uns sehr wohl gefallen lassen müssen, mit der CDU und anderen Parteien gemessen zu werden, wenn es um das geht, was die Anführer sagen.

Mit der Wahl Stefan Königs in den Bundesvorstand der Piratenpartei haben die Piraten ihren größten Fehler gemacht, wie sich im letzten halben Jahr heraus gestellt hat. Die Naivität, mit der er diese Welt politisch zu beurteilen versucht, war den Piraten wohl auch zu eigen, als sie ihn im Frühjahr 2009 geblendet von seiner angeblichen Medienkompetenz in ihren Vorstand wählten. In der Piratenpartei von heute hätte er keine Chance mehr. Dazu hat hat sich diese Partei einfach zu gut fortentwickelt. Wer heute „etwas bei uns werden will“, der hat sich in aller Regel vielen bohrenden und kritischen Fragen zu stellen. Fallen die Antworten so aus, dass sie nur ein wenig neben der Spur sind, war´s das denn für den Kandidaten. Game over!

Heute würde auffallen, dass Stefan König seine politische Bildung nicht irgendeiner Erfahrung aus einem wie auch immer gearteten praktisch-politischen Alltag verdankt. Die Sau, die zumeist SPIEGEL-ONLINE gerade durch das Internetdorf treibt, schlachtet Stefan König, zerlegt sie dann mehr oder minder fachgerecht und was er dann für das Filet hält, das wird mit flugs gegoogelten Infos gewürzt. Anschließend dreht er das Ganze dann durch seinen Sprachwolf und fertig ist politische Schweinemett des Stefan König.

Das wirklich Schlimme ist dabei, dass er seinen Quellen, die sich bereits mehrfach als nicht belastbar erwiesen haben, so unkritisch vertraut. Sein Kriegstreiberpost erinnert zu stark an die Bilder aus dem ersten Irakkrieg, als wir alle grausig-fasziniert die punktgenauen Bombardements der USA in CNN sahen. Und dieser Erinnerung verdanken wir dann auch wohl, die unerträglich-naive Forderung des Stefan König, im Iran genau so punktuell die vermeintlich oder tatsächlich gefährlichen Anreicherungsanlagen zu zerstören.

Wir erinnern uns alle an Colin Powell, der die Vereinten Nationen mit angeblich gesichertem militärischen Wissen belogen hat. Der Mann, der das organisierte, war Donald Rumsfeld, ein Kriegstreiber übelster Sorte. Wer mit oberflächlich im Internet zusammen getragenem Wissen wirklich und bewusst einen nadelstichartigen Angriff auf den Iran für möglich hält und diesen ernsthaft anregt, wandelt auf Rumsfelds Pfaden. Rumsfeld hat seinerzeit die Medien bewusst missbraucht. Aus den Mainstreammedien erfahren wir alle das, was wir wissen sollen und keinesfalls mehr. Wer ihnen dennoch so sehr vertraut, dass er aus den von diesen Medien angebotenen Infos die Rechtfertigung ableitet, mit dem Radiergummi Krieg zu führen, ist ein typischer Stammtischpolitiker, nichts weiter. Und das wäre auch gut so. Für die Welt wie für uns Piraten.

Da Stefan König jedoch seine Hybris zurückhaltend formuliert nicht so ganz im Griff zu haben scheint, beglückt er die Welt ein um das andere Mal mit seinen epochalen Entdeckungen und Analysen. Wenn diese Welt daraufhin berechtigt los poltert, erklärt uns Stefan König, wie visionär die Piraten eigentlich sind und er als „Oberpirat“ sowieso. Ihm zur Seite springen dann die Meinungsfreiheitsfundis der Piratenpartei. Diese Rituale haben wir jetzt ein halbes Dutzend Mal hinter uns. Und? Stefan König wird immer wunderlicher, immer seltsamer und immer unerträglicher.

Unsere Satzung gibt (noch) nicht genug her, um seinem unserer Partei schädlichen Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Der Bundesvorstand kann jedoch mit Mehrheit in seiner Geschäftsordnung bestimmen, wer was tut und nicht tut. Da kann der Bundesvorstand dem Stefan König doch eine Aufgabe zuweisen, die mit seiner lückenhaften politischen Durchbildung korrespondiert. Wie wäre es beispielsweise als „Bundesvorstandsbeauftragter für die Vorbereitung und Durchführung von Seminaren mit dem Titel „Wissen erwerben ohne Wikipedia und Spiegel-Online als Grundlage der politischen Arbeit“?

Noch besser wäre allerdings der Rücktritt Stefan Königs.

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5 Kommentare

  1. Ich bin schockiert über diesen Beitrag.

    Wer Aaron König als „Sandkasten-Ribbentropp“ bezeichnet, der hat wirklich erkennbar den Verstand verloren.

    Angesichts solch unglaublicher Entgleisungen wird immer deutlicher: Es geht in dieser Auseinandersetzung längst nicht mehr darum, was Aaron gesagt hat. Es geht darum, durch das Aufputschen der Massen gegen “den Feind unter uns” einen Sündenbock zu installieren, den gewisse Drahtzieher bzw. Hintermänner brauchen, um die Macht in der Partei an sich zu reißen.

    Wenn ich solche Sätze lese wie z.B. “”"Fallen die Antworten so aus, dass sie nur ein wenig neben der Spur sind, war´s das denn für den Kandidaten. Game over!”"”, dann erinnert mich das Ganze schon etwas an die “Säuberungen” in der KPdSU unter Stalin.

    Wird die Piratenpartei auch so enden wie DKP und MLPD? Mutiert man als Mitglied bald innerhalb von Sekunden vom Bruder zum Todfeind, nur weil man die Dogmen der herrschenden Ideologie zu hinterfragen wagt?

    Piraten: Bereit zum Kentern?

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