Der Wald wächst auch ohne Förster

23 Juni 2008 von Wolfgang Dudda Kommentieren »

Mit dieser epochalen Weisheit, die Thilo Sarrazin während seiner Zeit als Finanzstaatssekretär bei Kurt Beck bei einem Forstamtsbesuch losgelassen hat, wollte Kurt Beck zur Entschärfung der Diskussion um den nebenbei auch als Finanzsenator Berlins tätigen Sarrazin auf dem Berliner SPD-Parteitag beitragen, wie der TAGESSPIEGEL meldet. Die Alltäglichen Wahrheiten hatten erst am Samstag den Wunsch Sarrazins, auch für 5 Euro in der Stunde arbeiten zu wollen, entsprechend kommentiert.

Sarrazin hat demnach den Rückhalt in seiner Partei verloren und wird sich beim nächsten verbalen Lapsus wohl seinen 46 Nebentätigkeiten ganz widmen können. Ob diese Meldung der TITANIC allerdings stimmt, bezweifle ich ein wenig:

Für einen Stundenlohn von fünf Euro würde er “jederzeit arbeiten gehen”, hatte Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD?) behauptet. Nun relativierte er seine Aussage: “Bedenken Sie: Mein Arbeitsag als Finanzminister mit 46 Nebenjobs in diversen Aufsichtsräten hat mindestens 1685 Stunden, also stimmt der Schnitt am Ende wieder.”

Sicherlich wahr ist dagegen, dass Kurt Beck auf dem Berliner SPD-Parteitag den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen konnte, denn der Chef Sarrazins, unser “Party-Klaus” Wowereit Sozialdemokraten mit besonderem Fingerspitzengefühlhatte bekanntlich vor geraumer Zeit mit ähnlich pfiffigen Ideen geglänzt, als er in einem Interview und in seiner Autobiografie folgende Statements abgab, wie bei sozialleistungen.info nachzulesen ist:

Klaus Wowereit, regierender Bürgermeister von Berlin, schreibt in seiner kürzlich erschienenen Biographie auch über das Hartz-IV-Problem. Seiner Ansicht nach sind die Berliner, die auf Hartz-IV angewiesen sind, ausreichend versorgt. Die Hartz-IV-Empfänger fordert er in dem Buch auf, besser mit ihrem Geld umzugehen. Die gleiche Meinung vertrat er nochmals in einem Interview mit der Zeitschrift “Super Illu“.

In dem Interview sprach sich Wowereit auch gegen eine Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes aus. Es hätte seiner Auffassung nach keinen Nutzen, solche Familien mit mehr finanziellen Mitteln zu unterstützen, die nicht mit Geld umgehen könnten.
Viele Familien ließen sich vom Konsum berauschen und würden dabei nicht daran denken, erst einmal die wichtigsten Dinge zu bezahlen, so der SPD-Politiker. Wowereit vertritt die Ansicht, dass der Staat besser in so genannte Familienhelfer investieren sollte. Damit wäre seiner Meinung nach vielen Familien mehr geholfen.
In seiner Autobiographie schreibt Wowereit zudem, dass er sich teilweise darüber wundern würde, wofür die kleinen Leute ihr Geld ausgeben. Zum Beispiel 80 Euro monatlich für Zigaretten, noch mal so viel für Lotto, Alkohol, Bezahl-TV, Handy-Gebühren. Damit möchte Wowereit erläutern, dass sich die Armut von heute von der Armut seiner Jugend unterscheiden würde.

So wird klar, warum sich Klaus Wowereit am letzten Wochenende beim Thema “Sarrazin” bedeckt gehalten hat, denn wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

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