Archiv für die ‘querbeet’ Kategorie

Wo anfangen? Wo aufhören?

18 Februar 2010

Wann immer ich in den letzten Tagen zum Bloggen angesetzt habe, konnte ich mich nicht entscheiden, welchem Skandal oder Thema ich hier Rechnung tragen sollte. Es ist einfach zu viel, was da auf uns alle an Wahnsinn derzeit niederprasselt. Also fasse ich ausnahmsweise mal die Dinge der letzten Tage in einem Statement zusammen:

1. Die Unterschrift von Bundespräsident Köhler unter das Zensursulagesetz

Der Bundespräsident kann rein formal die Unterschrift unter ein beschlossenes Gesetz nur dann verweigern, wenn er schwere verfassungsrechtliche Bedenken geltend machen kann. Diese sah er nicht und so unterschrieb er gestern die erste Zensurregelung im demokratischen Nachkriegsdeutschland. Zuvor hat er sich geziert und wohl auch verzögernd gezögert in der Hoffnung, dass die schwarz-gelbe Koalition ihre Hausaufgaben machen würde. Dass sich dabei ausgerechnet die FDP, die die Justizministerin stellt, als Schulschwänzer entpuppt, konnte Köhler ja nicht ahnen.

Ein Schelm, der da folgenden bösen Gedanken pflegt: Im Wissen darum, dass die FDP bei den Bürgerrechten mit dem Rücken an der Wand steht, erhöht die CDU an dieser Stelle den Druck und erinnert den Bundespräsidenten genau so höflich wie zurückhaltend an die fehlende Unterschrift. Nun muss die FDP handeln. Ein Gesetz nach ihrem gusto jedoch verlangt nach Kompromissen an anderer Stelle, z.B. bei den Steuern oder der Kopfpauschale bei den Krankenkassenbeiträgen.

Aber das ist natürlich dunkelster, dunkelster politischer Aberglaube …

Fakt ist nun, dass wir alle vorerst mit einem Gesetz leben müssen, dass einfache Beamte des BKA dazu ermächtigt, zu entscheiden, was wir im Internet sehen und was nicht. Die Provider haben eine geeignete Infrastruktur zu bevorraten, die dann dafür sorgt, dass per Stoppschild die „Sperrvorschläge“ aus Wiesbaden umgesetzt werden.

Das will heute so niemand mehr, weil sich die vor allem und fast ausschließlich von der Piratenpartei immer wieder propagierte Forderung nach dem Vorrang von Löschen statt Sperren vernünftigerweise durchgesetzt hat. Die Piratenpartei hat sich dafür im letzten Jahr viele Prügel abgeholt und wurde unsachlich bis hin in die Ecke der Kinderpornobefürworter gedrängt.

Warum also unterschrieb Bundespräsident Köhler ausgerechnet gestern etwas, das er zuvor so lange liegen ließ und das so niemand mehr will? Kann der deutsche Amtsschimmel nicht einmal vor dem Schloss Bellevue ausgebremst werden oder sollte der oben genannte Schelm Recht haben?

2. Der „Verbal-Nero“

In widerlichster Weise  -  oder sollte ich sagen in Sarrazinscher Manier – hat sich „die Freiheitsstatue dieser Republik“ der HARTZ IV-Problematik gewidmet. Sein Vergleich mit der spätrömischen Dekadenz hinkt nicht nur historisch; er ist völlig abwegig.

Im spätdekadenten Rom haben die Reichen und Mächtigen geschwelgt, Orgien gefeiert und gefaulenzt. Wenn ich mir die Leistungsbilanz der schwarz-gelben Koalition anschaue, entdecke ich, dass hochdotierte Ministergehälter abgegriffen werden, denen kaum messbare Leistungen gegenüber stehen. Wenn unsere Verfassungswächter in Karlsruhe rügen, dass die Regelsatzgestaltung unter Willkürverdacht stehen muss, weil die rein prozentuale Abschichtung vom Erwachsenen zum Kind der Realität nicht gerecht wird, kann die Antwort der Regierenden darauf nicht das Getröte eines Mannes sein, der sich etwa halbstündige Vorträge üppig mit 7.000,- Euro entlohnen lässt (Quelle: http://www.nebeneinkuenfte-bundestag.de/westerwelle-dr-guido/). Dieser Mann wird spendenbedingt  als Befehlsempfänger der Hoteliers wahrgenommen. In Bordellen wie in Hotels wird gleichermaßen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent angewendet. Und ausgerechnet dieser Mann bemüht den Begriff „spätrömische Dekadenz“?

Gestern auf dem politischen Aschermittwoch hat er sich fragend beim gemeinen Stammtischvolk nachträglich die Legitimation für seine soziale Brunnenvergifterei geben lassen unter dem angetrunkenen Gejohle derer, die derartige Fehltritte für wahrhafte Politik halten. Mit Politik hat die Show des Westerwelle allerdings nichts mehr zu tun, denn zur Politik gehört neben dem an die Macht kommen auch das richtige, verantwortliche Ausüben dieser Macht. Den ersten Teil hat Westerwelle nicht zuletzt deshalb geschafft, weil viele wirklich geglaubt haben, dass er der
Heiland ist. Den zweiten Teil, kluges und verantwortliches Regieren, ist er bis heute schuldig geblieben. Viele seiner Wähler leiden heute unter einem orthopädischen Mangel: Sie könne sich nicht in den Allerwertesten beißen!

Unser Land braucht sachkundige Fleißarbeit und nicht übel polarisierende Sprücheklopfer! Diese Nation ist feuerwerksmüde, Herr Westerwelle. Ersetzen Sie deshalb bitte ihr Blendwerk endlich durch Sacharbeit.

3. Die 68er sind Teufelswerk

Der berühmt-berüchtigte Augsburger Bischof Mixa, der eigentlich als Devisenschmuggler schon einmal hätte festgenommen werden müssen (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/344/503566/text/ ), verhöhnt die Opfer des klerikalen Missbrauchs und stellt eine unverfrorene Kausalität her: Die sexuelle Revolution der 68er samt ihren Jesuslatschen tragenden Hippies und der hinterher inflationär angestiegenen Abbildung von nackten Körpern trägt an den abscheulichen Verbrechen eine Mitschuld.

Gegen das Treiben gewisser Klerikaler erscheint Silvio Berlusconi vergleichsweise geradezu als introvertierter Asket. Dafür die Schuld nicht bei sich selbst vorrangig zu suchen und stattdessen bei den teuflischen Verführungen einer modernen Zeit auszumachen, ist typisch für die katholische Kirche. Berlusconi und die katholische Kirche eint der Anspruch, Hüter der einzigen Wahrheit zu sein. Was für Berlusconi Fernsehsender und Printmedien sind, ist für die katholische Kirche die Kanzel. Beide predigen genau so lautstark wie verlogen überall Wasser, um anschließend in Villen auf Sardinien oder hinter dem Beichtstuhl das Dolce Vita auszuleben.

Bewusste Realitätsferne hat in Deutschland eine Maßeinheit bekommen und die heißt nun „Mixa“. Ein „Mixa“ ist der an taktischen Gebrauchswahrheiten orientierte formulierte Abstand zwischen den Schandtaten der Einen und dem gesellschaftlichen Fortschritt der Anderen.

Wie viele „Mixas“ braucht es noch, bis die katholische Kirche begreift, dass ihr System Pädophile anzieht wie Motten das Licht. Wie viele Kinder werden bis dahin noch missbraucht werden?

4. Unmögliches wird sofort erledigt, Wundern dauern etwas länger

Diese Überschrift passt wie die Faust auf das Auge des neuen Jugendmedien-Staatsvertrages (JMStV) , weil etwas gefordert wird, das kaum jemand will und das technisch derzeit unmöglich ist (s.a.: http://wiki.piratenpartei.de/Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ). Im Grunde genommen ist der JMStV nichts anderes als ein weiterer Zensurversuch, der im Kostüm des Jugendschutzes vorgetragen wird.

Einmal mehr sind die Piraten die einzige politische Kraft, die sich hör- und sichtbar den  klammheimlich vorbereiteten Zensurbestrebungen in den Weg stellt. Sie können und sollten dies nach meiner Meinung durchaus lauter tun. Das ist wesentlich wichtiger, als sich mit den bombastischen Visionen eines piratischen Frühstücksdirektors oder einem denkbar schlecht organisierten Forumsumzug aufzuhalten. Ich beziehe mich übrigens selbst klar in diese
Kritik ein.

Über Ganzkörperscanner, das gerade in Kraft getretene Zensursulagesetz,
ELENA (s.a.: http://wiki.piratenpartei.de/ELENA ) bis hin zum neuen JMStV haben die Piraten bürgerrechliche  Schwerstarbeit im Akkord zu leisten. Sie tragen damit eine große politische Verantwortung, auch weil diesen Job kein anderer machen wird.

So viele Baustellen und so wenige Bauarbeiter.

Fünf Prozent müssen sein, denn …

3 Februar 2010

… wir haben kein Geld in der Schweiz oder Liechtenstein! So oder so ähnlich skandieren derzeit die Leute aus dem öffentlichen Dienst, die sich für ihre berechtigten Tarifforderungen einsetzen.

Und wie nötig eine Gehaltsaufbesserung im öffentlichen Dienst ist, wird deutlich anhand des tragischen Falls der Landtagspräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Wie nicht nur beim Kölner Stadtanzeiger nachzulesen ist, hat Landtagspräsidentin Regina van Dinther ihrer Partei, der CDU, nämlich sieben Jahre lang keinen Beitrag gezahlt. Erst als sie massivst gemahnt wurde, hat sie im September 2009 ihre Parteischulden beglichen.

Nicht einmal die 15.000,- € Extrageld, die sie für die Teilnahme an einer (!!!) Aufsichtsratssitzung der RAG erhielt konnten die grausame Not lindern, die Regina von Dinther aufgrund der jämmerlichen Einkünfte als Landtagspräsidentin täglich erlebte.

Man reiche mir eine Amphore für die Tränen aus meinem linken Auge!

Die”Was-ist-nochmal-ein-Browser-Frau” kneift!

1 Februar 2010

Brigitte Zypries, einstmals ahnungslose Justizministerin kneift und weicht den Piraten aus, wie man beispielsweise hier im “Presse Anzeiger” nachlesen kann. Wegen “Platzmangel” wurden die eigentlich als Kompetenzverbreiter eingeladenen Piraten kurzfristig wieder ausgeladen. Boooah, wat ne schlechte Ausrede!

Sicherlich werden sich die Piraten in Darmstadt exakt und zu 100 Prozent an diese Einladung halten. Das ist so gewiss wie die überragenden Computerfertigkeiten der Frau, die schließlich als Ministerin für den Entwurf des “Zensurgesetzes” verantwortlich zeichnete:

Aber sie kann es noch besser:

Von jemandem mit diesen Fähigkeiten erwarten wir auch keine kluge Ausrede, oder?

“Welt am Draht”

28 Dezember 2009

Das Buch gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und die Verfilmung von Fassbinder gehört zum Besten, was das deutsche Fernsehen je zustande gebracht hat. Die “Welt am Draht” von Daniel F. Galouye war und ist für mich eine denkbare Alternative zum religiösen Schöpfungsmodell. Gibt es uns wirklich oder sind wir allesamt nur eine Simulation, eine künstliche Testwelt für ein wenig begabtere Wesen?

Bestens besetzt mit Klaus Löwitsch in der Hauptrolle als “Fred Stiller und hervorragend verfilmt wurde durch die geniale Arbeit Fassbinders aus einem Science Fiction-Modell eine beklemmend denkbare Alternative zu unserer Vorstellungswelt.

Weil das Buch und der Film einfach nicht wieder aufgelegt worden sind, gab es sogar Verschwörungstheoretiker, die fest überzeugt davon waren, dass “sie dies verhindert haben”.

Frühsport mal anders

6 Dezember 2009

Die (Rück)Eroberung öffentlicher Räume kann so schön, so sportlich und so friedlich sein. Danke an den Twitterer RumbaDel Sol für diesen tollen Tipp!

Bildung darf nichts kosten!

30 November 2009

Dass der Deutschen einziger Schatz zwischen den Ohren liegt, ist eine Weisheit von Guido Westerwelle. Unklar ist dabei, ob er damit den Wert seiner Frisur meint oder was sonst. Dass Wissen und vor allem das fremdsprachliche Wissen muss Buchstabe für Buchstabe kostenlos sein, anders als in diesem Leipziger Beispiel:

Was kosten die Buchstaben F U C K ?

pdf für Spesenritter von der Spesendruckerei

13 November 2009

In New York haben es Spesenritter besonders gut. Als Werbegag hat sich ein tatsächlich existentes Speiselokal der gehobenene Klasse etwas für die Gäste ausgedacht, die einen besonderen Ausgabenachweise für die Speiserechnung benötigen.

Einfach den Rechnungspreis auf der Homepage eintippen und sich dann aussuchen, welche Rechnung man braucht. Ein Bucheinkauf? Eine Software, die die Firma immer schon brauchte? Was auch immer, man bekommt eine akkurate Rechnung gleich online oder eben per Mail.


Danke an Tobias K. für den netten Tipp!

Geld für´s Nichtstun

13 November 2009

Weide in Schottland (Bild: FlickR)Man lebe in Schottland, pachte sich für eine Handvoll Euro eine Weide und schaue dem Gras beim Wachsen zu. Die EU belohnt dieses keltische Dolce Vita dann mit mehreren hundert Euro! Es kommt nur darauf an, dass “die landwirtschaftliche Parzelle in einem guten landwirtschaftlichen Zustand erhalten wird”.

Das weiß die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND. Sie weiß auch von anderen Verschwendungsorgien dieser Art in Rumänien und Bulgarien in Höhe von etwa 2,6 Milliarden Euro.

So lange, wie wir noch Geld für solchen Wahnsinn haben, ist die Finanzkrise nichts weiter als hysterisches Getue, oder?

Heute vorsichtig sein?

13 November 2009

Freitag der 13. (Bild: Wikipedia)Denkt dran: Heute ist Freitag der 13.!

Was heute schiefgeht, lasten wir dem Datum an. Klar. Und so ganz frei von dem Schwachsinn, dass das Datum irgendwie bedeutungsvoll ist, ist wohl niemand. Wer es damit allerdings übetreibt, der leidet unter Paraskavedekatriaphobie. Eine Auswertung von Krankmeldungen der Jahre 2006 bis 2008 ergab, dass an einem Freitag den 13. drei- bis fünfmal mehr Arbeitnehmer krankgeschrieben sind als im Durchschnitt.

Also schleunigst zum Hausarzt gehen und ihm gleich die Diagnose diktieren, dann das Attest bei der Arbeit abgeben, auf dem “Paraskavedekatriaphobie” steht, und damit das Wochenende verlängern!

Reinhard Mey hat sich um Freitag den 13. schon 1969 gekümmert:

“Im Internet geht es nur um Macht.” Oder alle doof außer Nuhr

3 November 2009

Diesen denkwürdigen Satz verdanken wir einem Comedian, der das Gästebuch auf seiner Homepage schließen musste. Wir erinnern uns, dass der Mann Anfang September 2009 folgendes sagte und damit natürlich die Piraten auf den Plan rief:

Piratenpartei ist ja ein schöner Name. Der stimmt einfach. Es geht um einen Raubzug. Um Wahlkampfkostenrückerstattung und Diäten, um Pensionen und Zulagen. Die Piraten sind da ein gutes Beispiel, das sind ein paar verwirrte Studenten, die brauchen Geld. Und sie sind natürlich auch inhaltlich interessiert. Sie fürchten das Ende der Freiheit. Sie haben Angst, dass man im Internet in Zukunft vielleicht keine Musik mehr klauen darf. Und dass man Kinofilme nicht mehr für lau vor dem Kinostart runterladen kann. Oder Kinderpornografie. Und das wäre ja schrecklich. Das wäre das Ende der Freiheit. So wie es ja für viele auch das Ende der Freiheit war, als sie erfuhren, dass man im Plattenladen keine CDs klauen darf. Oder dass man anderen nicht auf die Fresse hauen darf. Wo bleibt denn die Freiheit, wenn ich nicht mehr hauen darf, wen ich will?

Nachdem sich die Piraten zu Recht über diese genau so dumme wie widerliche Entgleisung beschwerten, änderte der Mann klammheimlich den Eintrag und der sieht bis heute dann so aus:

Piratenpartei ist ja ein schöner Name. Der stimmt einfach. Es geht um einen Raubzug. Um Wahlkampfkostenrückerstattung und Diäten, um Pensionen und Zulagen. Die Piraten sind da ein gutes Beispiel, das sind ein paar verwirrte Studenten, die wollen sparen. Sie haben Angst, dass man im Internet in Zukunft vielleicht keine Musik mehr klauen darf. Und dass man Kinofilme nicht mehr für lau vor dem Kinostart runterladen kann. Oder Kinderpornografie – oder weshalb haben sie uns Herrn Tauss präsentiert, wohl kaum, weil er so kinderlieb ist. Was soll das? Die Freiheit ist in Gefahr. Und deswegen engagieren sich diese jungen Menschen. Und das sollte uns Wähler glücklich machen.

Und warum wärme ich den selbstgefälligen, von anderen immer noch als “Humor” verstandenen Verbaldurchfall auf? Weil es dem Herrn gefallen hat, die Piraten gleich zwei Mal ins Boot mit Nazis und anderen Extremen zu holen. Im Interview mit der “Neuen Westfälischen” begründet er die Schließung seines Gästebuches so:

Im Internet tobt ja ein permanenter Kampf um Meinungshoheit. Wenn man aus Sicht einer gut verlinkten Gemeinschaft was Falsches sagt, hagelt es prompt Beleidigungen, Diffamierungen, sogar Drohungen. Ich habe diese Erfahrungen mit der Links-Partei gemacht, mit der Piratenpartei, mit den Nazis und mit religiösen Gemeinschaften. Da geht es nicht mehr um Argumente, sondern nur noch darum, wer die meisten Anhänger mobilisieren kann. Mit Meinungsfreiheit hat das nichts zu tun. Im Internet geht es nur um Macht.

Aha. Im Internet geht es also nur um Macht. Da frage ich mich natürlich, welchen Machtanspruch der Mann denn selbst hat. Schließlich betreibt er ja eine Homepage und ist damit ganz bewusst Teil dieser “Macht”. Dass er sie unaufrichtig wahrnimmt, diese Macht, habe ich oben ja bereits dargestellt. Natürlich bleibt er uns die Beweise für die Ungeheuerlichkeiten schuldig – im Interview genau so wie auf seiner Homepage. Das wundert uns nicht. Es entspricht ja exakt dem Selbstverständnis des Herrn, dass sich bereits mit den beiden Statements zur Piratenpartei offenbarte. Das ist eben seine Methode: Pauschal verunglimpfen und dann die eigene Promimacht beim Umgang mit der Kritik missbrauchen! Eben alle doof außer Nuhr.

Und weil der Herr dazu neigt, seine Teile an der “Macht” im Nachhinein, ohne dies kenntlich zu machen, wenn nötig zu verändern, habe ich Screenshots vom derzeitigen Inhalt gemacht, den ich hier zur Verfügung stelle:

screenshot_nuhr

Und wenn wir uns dann die Mühe machen, tatsächlich weiter zu lesen, erfahren wir über uns noch mehr:

Die Beleidigungen des Herrn Nuhr auf seiner Homepage
So geht also einer, der als Promi Macht hat durch seine öffentliche Wahrnehmung, mit Kritik um. Da werden schnell mal die extremsten und dümmsten Einträge in seinem Gästebuch, die es wahrscheinlich gegeben hat, mit berechtigter Kritik zusammen geworfen und damit alle Menschen, die sich kritisch mit dem beschäftigen, was der Herr sonst zumeist gegen gutes Geld absondert, zu “Folterknechten und Dummdödeln”. So ist das in der Welt des Herrn Nuhr. Und ausgerechnet diesen mit Kritik “so gekonnt differenziert” umgehenden Spötter (ein Comedian oder gar Kabarettist ist durchweg intelligenter) präsentiert das ZDF künftig ab heute jeden Dienstag um 22:45 Uhr in einer improvisierten Show mit Publikumsbeteiligung. Was wir dabei erwarten dürfen, erfahren wir schon vorab von dem Herrn:

… Aber grundsätzlich ordne ich die Dinge erst mal da ein, wo die Bild-Zeitung aufhört…

Glücklicherweise bietet das Fernsehen ja Alternativen an. Genau so wie die Bretter der Bühnen, die wirklichen Comedians und Kabarettisten als Plattform dienen, um uns von dort aus ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Die können das übrigens, weil sie ein anderes Verständnis von Brettern haben. Sie tragen diese nämlich nicht vor dem Kopf wie gewisse andere Pseudokabarettisten oder -comedians.

Selbst überwachen leicht gemacht

2 November 2009

In diesen Tagen freuen wir uns, dass es die Mauer samt Überwachungswahnsinn seit 20 Jahren nicht mehr gibt. Wir freuen uns auch darüber, dass die Überwachungstools der Regierenden laut Koalitionsvertrag “evaluiert” werden. Zu all dem passt, dass die BürgerInnen es mehr und mehr Leid sind, überwacht und beobachtet zu werden.

ALDI-Nord bietet Nachtsichtgerät an!
Ob ALDI-Nord nun mit seinem Angebot für den 9. November 2009 (an diesem Tag jährt sich zum übrigens 61. Mal die Reichsprogromnacht )am Bedarf vorbei plant, wird sich also zeigen. ALDI-Nord bietet für den Schnäppchenpreis von schlappen 99,99 Euro ein Nachtsichtgerät für Jedermann an. Und wozu braucht der Normalbürger so etwas? ALDI-Nord sagt dazu u.a.

“Nachtsichtgeräte sind für Beobachtung und Orientierung unter Nachtbedingungen vorgesehen”

Ich lebe in einem tollen Land, in dem beim Discounter Nachtsichtgeräte neben der Milch stehen, deren Preis Bauern in den Ruin treibt. Und? Bietet ALDI-Nord in 14 Tagen den Bundesheimtrojaner für Jedermann an?

Zeitgemäß absurd

4 Oktober 2009

Stoppt Tierspams!Mir als bekennendem Protestanten ging das piratische Herz auf, als ich im Blasphemie-Blog lesen durfte, dass ein österreichischer Pfarrer in Linz am heutigen Welttierschutztag, der glechzeitig der Tag des heiligen Franaz von Assisi ist, auch Tiere segnet, die ihm per Mail oder SMS ans Herz gelegt worden sind. Im Blasphemie-Blog heißt es u.a.:

Weil viele Frauchen und Herrchen ihren Schützlingen den Transport nicht zumuten wollten, hat der Pfarrer den Kreis der vierbeinigen Teilnehmer auch auf jene erweitert, die nur per Foto anwesend sind.

Dieses Service dürfte sich rasch herumgesprochen haben, denn allein im vergangenen Jahr erhielt der Geistliche 550 E-Mails mit über 900 Tierbildern unter anderem aus Afrika, Australien oder Kanada. Die Besitzer baten um die Segnung der Vierbeiner. Für Pfarrer Zeiger ist es kein Problem, dass Teile seiner Herde nur auf Bildern anwesend sind: „Gebet und Segen kennen keine Grenzen und umspannen die ganze Welt“, freut er sich über die internationale Teilnahme an seiner Tiersegnung.

Warum auch nicht? Schließlich hat die Kirche ja auch jahrhundertelang Waffen gesegnet. Dass sie schwulen Paaren dagegen immer noch ihren Segen verweigert, macht mich nun allerdings noch wütender als bisher schon.

Die Politik von gestern und der Wahlkampf von vorgestern

23 September 2009

Dass Angela Merkel im Adenauer-Train (“Rheingold”) durch die Lande reist, um ihre Wahlkampfziele zu erreichen, gilt für die geographische Ebene und für die intellektuelle sowieso. Der “Yes We Gähn-Wahlkampf” der neuen “Mutter der Nation” ist offenbar so schlecht, dass Traditionalisten des Wahlkampfes die Notbremse ziehen und Stilmittel aus der politischen Mottenkiste ziehen, die wir seit den 70er Jahren eigentlich überwunden hatten.

Im beschaulichen Reinbek hier in Schleswig-Holstein “fährt zur Zeit ein oller VW-Bus der CDU durch die Gegend und beschallt die Leute mit primitivsten Wahlkampfparolen. Fühle mich irgendwie gerade an Nordkorea, die DDR oder Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus erinnert, primitivstes Kino”. Das schrieb mir die Didi per Mail und verlinkte auf sein davon gedrehtes Video bei YouTube, das glücklicherweise ohne Ton daher kommt.

Schäuble und Sippenhaft nach Sozialkontakt mit Piraten

12 September 2009


Zum gestrigen Abend mit dem Herrn Schäuble in Schwäbisch-Gmünd, den ich zwei Beiträge zuvor schon erwähnt habe, gab es einen Kommentar mit einem Link, den ich Euch keinesfalls vorenthalten will und der Euch zeigt, dass Herr Schäuble gestern tatsächlich demokratische Sippenhaft nach Sozialkontakten Leuten der Piratenpartei verhängt hat.

Sind Sie ein wenig stolz darauf, Herr Schäuble, dass überwiegend Ihretwegen heute inklusive mir mindestens 100.000 Menschen in Berlin bei der Demo “Freiheit statt Angst” auf die Straße gehen (müssen)?


Und deswegen mache ich mich jetzt auf die Socken nach Berlin!

Updates hier gibt deshalb also erst morgen.

Deutschland ganz unten

8 September 2009

Dass ich den Fernsehsender RTL samt seinen missratenen Kindern (RTL II und SuperRTL) aus dem Bouquet meines Fernsehers entfernt habe, wissen die Stammleser der Alltäglichen Wahrheiten. Wie richtig diese Entscheidung ist, belegt spätestens dieses Video (Danke, Philipp!):

Solche Sachen brauchen wir so wenig wie Barbara Salesch für die deutsche Rechtssprechung, oder? 

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